Handwerksbetriebe

Teil von Büroorganisation im Handwerksbetrieb ordnen

Fristen im kleinen Handwerksbetrieb überwachen

Fristenraster für Angebote, Nachweise und Zahlungen im Handwerksbetrieb anlegen, Software-Erinnerungen nutzen und Eskalationsstufen festlegen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Fristenraster wird nur dort vollständig, wo zu jeder Zeile ein Auslöser und eine auslösende Handlung im Betrieb benannt sind.
  • Erinnerungen in Buchhaltungssoftware sind Anbieterangaben, kein Ersatz für eine eigene Nachverfolgung.
  • Fristen ohne erfasste Belege, etwa Gewährleistungs- oder Aufbewahrungsfristen, gehören nicht mit erfundenen Zahlen ins Raster.

Welche Fristen überhaupt in das Raster gehören

Ein Kleinbetrieb ohne Bürokraft braucht keine vollständige Fristenübersicht, sondern eine kurze Liste der Termine, die er selbst auslöst. Drei Gruppen reichen meist: Angebotsbindung, Nachweise und Zahlungsziele. Jede Zeile braucht ein Ereignis, das die Frist startet.

Typische Auslöser sind der Versand eines Angebots, die Auftragsbestätigung, der Wareneingang oder die Rechnungsstellung. Notiert wird also zuerst die Handlung, nicht die Frist. Das Raster ist damit ein Kalender der eigenen Vorgänge.

Steuertermine bilden eine eigene Gruppe. Hierauf gibt es im Betrieb oft keinen eigenen Auslöser. Nach Anbieterangabe übernimmt die Software diesen Teil: Lexware Office rechnet die Abgabefrist selbst aus und berücksichtigt laut Anbieterbeschreibung auch die Dauerfristverlängerung (Funktionsbeschreibung Lexware Office).

Manche Fristen lassen sich aus vorliegenden Belegen nicht belegen. Gewährleistungs- oder Aufbewahrungsfristen mit konkreten Zahlen gehören dann nicht in dieses Raster. Wer sie braucht, klärt sie mit der Kanzlei oder Handwerkskammer.

Das Fristenraster mit fünf Spalten

Das Raster lässt sich in einer Tabellenkalkulation oder in der Buchhaltungssoftware anlegen. Fünf Spalten genügen. Ein Beispiel mit vier Beschäftigten, alle Werte frei gewählt und nicht aus einer Studie:

Fristenart Auslöser Vorlaufzeit Erinnerungsweg Eskalation
Bindefrist Angebot Angebot per E-Mail raus 3 Tage vor Ablauf Aufgabe, Fristeintrag Kunde anrufen
Nachweis (Bauleiter) Auftragsbestätigung 7 Tage Push-Mitteilung App Kanzlei fragen
Zahlungsziel Kunde Rechnungsdatum 5 Tage vor Ziel Dashboard, offene Posten Mahnung schreiben
Steuerliche Anmeldung Buchungsmonat Software-Frist Dashboard-Hinweis Berater informieren
Ablage Belege Beleg fotografiert am selben Tag App-Scan Wochenlauf prüfen

Die Vorlaufzeiten sind eine betriebliche Festlegung, keine Vorschrift. Sie richten sich danach, wie lange eine Reaktion im eigenen Haus dauert.

Wichtig ist die vorletzte Spalte: Erst wenn der Erinnerungsweg feststeht, hat die Zeile eine Funktion. Bleibt er offen, bleibt der Termin liegen.

Erinnerungen in der Software einrichten

Praktisch ist eine Erinnerung dort, wo die Aufgabe ohnehin anfällt. In der Lexware-App zeigt das Dashboard laut Anbieterangabe Kontostand, Aufgaben sowie offene und überfällige Angebote und Rechnungen; Zahlungseingänge kommen dem Anbieter zufolge per Push-Meldung (App-Funktionen).

Für Zahlungen gibt es eine zweite Stufe. Lexware Office beschreibt, dass aus einer offenen Rechnung in kurzer Folge eine Zahlungserinnerung oder Mahnung entsteht (Rechnungen und Mahnungen). Ob das zuverlässig greift, prüft keine der erfassten Quellen.

Bei sevdesk nennt der Anbieter Erinnerungen an Steuerpflichten wie die Umsatzsteuervoranmeldung, eine Übersicht über offene, fällige und bezahlte Rechnungen sowie die automatisierte Erstellung und Übermittlung der Voranmeldung monatlich oder quartalsweise an das Finanzamt, auch ohne eigenes ELSTER-Zertifikat (sevdesk Produktübersicht). Auch das ist eine Anbieterbeschreibung.

Daraus folgt eine Regel: Erinnerungen entlasten, entscheiden aber nicht. Jede Woche braucht es einen kurzen Blick auf die überfälligen Vorgänge, sonst bleibt eine Meldung unbemerkt und der Termin ist vorbei.

Eskalationsstufen bis zur Kanzlei

Eine Frist braucht eine zweite Stufe, sonst bleibt sie folgenlos. Bewährt hat sich eine Treppe mit drei Schritten: interne Erinnerung, schriftliche Kundenerinnerung, Übergabe an Steuerkanzlei oder Berater. Sie gehören vorab in das Raster.

Der erste Schritt liegt beim Betrieb. Der zweite ist eine Zahlungserinnerung oder Mahnung aus der Software. Der dritte ist der Rückgriff auf die Kanzlei, die den steuerlichen Teil ohnehin begleitet. Ein Beispiel: zwölf Tage nach Rechnungsdatum eine automatische Erinnerung, nach 30 Tagen eine Mahnung, jeweils aus dem Programm. Das ist eine betriebliche Festlegung, keine rechtliche Norm.

Wichtig ist, dass die Eskalation an eine Person gebunden ist. Ohne Namen bleibt der Schritt liegen. Im Kleinbetrieb ist das oft der Inhaber oder die Bürokraft mit Stellvertretung.

Wenn Auslandsgeschäfte oder OSS dazukommen

Sobald Rechnungen ins EU-Ausland oder in Drittländer gehen, wächst die Zahl der Fristen. sevDesk gibt an, dass Rechnungen in EU- und Drittländer sowie in Fremdwährungen wie US-Dollar geschrieben werden können und das OSS-Verfahren unterstützt wird. Bei grenzüberschreitenden Geschäften können zusätzliche Melde- und Aufzeichnungspflichten entstehen.

Solche Vorgänge gehören mit eigener Zeile, Vorlaufzeit und eigenem Erinnerungsweg in das Raster. Wer nur gelegentlich in EU-Länder liefert, klärt die Meldepflicht mit der Kanzlei, statt eine Vorlaufzeit zu raten.

Häufige Fragen

Welche Fristen gehören in ein Raster für den Handwerksbetrieb?

Fristen, die der Betrieb selbst kennt und auslöst: Bindefristen von Angeboten, Nachweise gegenüber Auftraggebern, Zahlungsziele sowie steuerliche Anmeldungen, die die Software laut Anbieterangabe führt.

Reicht ein Erinnerungssystem in der Software aus?

Nach Anbieterangabe ja, geprüft hat das keine der erfassten Quellen. Praktisch bleibt ein wöchentlicher Blick auf überfällige Vorgänge nötig.

Wo finde ich Fristen, die nicht im eigenen Raster stehen?

Bei der Steuerkanzlei oder der zuständigen Handwerkskammer. Gewährleistungsfristen, Aufbewahrungsfristen und öffentliche Vergabefristen sind in den erfassten Quellen nicht enthalten und werden ohne Zahl genannt.

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