Handwerksbetriebe
Teil von Auftragsplanung im Handwerksbetrieb mit Kapazitätsrechnung und Nachkalkulation aufbauen
Kundenverschiebung im Handwerksbetrieb: Ist-Kosten erfassen und Kommunikation planen
Kundenverschiebung im Handwerksbetrieb: gebundene verrechenbare Stunden und Wege erfassen, Ausfallgröße berechnen, Rückmeldung fristgerecht planen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Erfassen Sie je abgesagtem Termin gebundene verrechenbare Stunden und gefahrene Wege.
- Rechnen Sie die Ausfallgröße mit Ihrem kalkulierten Stundensatz, nicht mit einer behaupteten Stornogebühr.
- Planen Sie die Rückmeldung mit Frist und benennen Sie einen Nachrücker von der Warteliste.
- Offene Rechtsfragen klären Sie mit der Handwerksorganisation vor Ort.
Eine kurzfristige Absage trifft den Betrieb mitten in der Disposition: Mitarbeiter und Fahrzeug sind bereit, der Termin bleibt leer. Statt über eine Stornogebühr zu streiten, hilft der Blick auf die tatsächlich gebundenen Stunden, die sich belegen und intern vergleichen lassen.
Gebundene Stunden und Wege als Ausfallgröße erfassen
Ausgangspunkt ist die Kapazitätsrechnung, die Sie ohnehin führen. Das Formular zur Ermittlung des Stundenverrechnungssatzes verknüpft Anwesenheitsstunden und unproduktive Stunden mit den verrechenbaren Stunden pro Mitarbeiter und Jahr. Über die Zahl der produktiv Beschäftigten entsteht daraus die Gesamtkapazität. Eine entfallene Woche lässt sich so in verrechenbaren Stunden ausdrücken.
Für das Protokoll zählen drei Felder: verrechenbare Stunden, Wege und der eigene Stundensatz. Der Stundensatz kommt aus Ihrer Kalkulation. Die Ausfallgröße ist das Produkt aus gebundenen Stunden und angesetztem Satz.
Hypothetische Beispielzeile: ein Halbtagstermin, vier gebundene verrechenbare Stunden, 30 Kilometer Anfahrt, angesetzter Satz 45 Euro je Stunde. Die Ausfallgröße beträgt 180 Euro netto. Die Werte sind frei gewählt und dienen nur der Rechenform.
| Feld | Eintrag (hypothetisch) |
|---|---|
| Zeitpunkt der Absage | Montag, 7:40 Uhr |
| Gebundene verrechenbare Stunden | 4,0 h |
| Wege | 30 km |
| Angesetzter eigener Stundensatz | 45 Euro netto je Stunde |
| Ausfallgröße | 180 Euro netto |
| Rückmeldung mit Frist | Dienstag, 12:00 Uhr |
| Benannter Nachrücker | Betrieb aus der Warteliste |
| Rechtsprüfung offen | ja oder nein |
Führen Sie je abgesagtem Termin eine Zeile und schließen Sie sie erst, wenn die Rückmeldung erledigt und der Nachrücker benannt ist oder die Lücke leer bleibt. Nach einigen Monaten zeigen sich Muster: Welche Tage brechen weg, welche Gewerke sind betroffen, wie viel Vorlauf fehlt.
Wichtig ist die Trennung von Rechnung und Anspruch: Ob aus einer Absage ein Zahlungsanspruch folgt, hängt vom Einzelfall und vom Vertrag ab. Der ZDH verweist bei rechtlichen Fragen auf die Beratungsangebote Ihrer Handwerksorganisation vor Ort, also Handwerkskammern, Innungen und Fachverbände; dort liegt auch das Thema Allgemeine Geschäftsbedingungen mit Stornierungsregelungen. Behandeln Sie die Ausfallgröße als interne Steuerungszahl.
Warteliste und Nachrücker nach Region, Gewerk und Dauer führen
Eine Warteliste ist nur brauchbar, wenn sie sortierbar ist. Legen Sie drei Merkmale fest: Region oder Anfahrt, Gewerk und voraussichtliche Dauer. Ein Nachrücker mit Anfahrt quer durch den Landkreis frisst die gerettete Zeit auf.
Prüfen Sie bei jeder Absage zuerst, ob ein Nachrücker aus demselben Gebiet passt. Fällt die Lücke kleiner aus, brauchen Sie einen kurzen Auftrag, wird der Termin ganz frei, passt auch ein längerer. Halten Sie die Liste mit geschätzter Dauer.
Bewährt hat sich eine gestufte Kontaktaufnahme: Rufen Sie zuerst den Nachrücker an, dessen Aufwand dem freien Slot am nächsten kommt, und nennen Sie Termin und voraussichtliche Dauer. Diese Übertragung auf eine Terminverschiebung ist ein eigener Vorschlag, kein Kammerverfahren und keine vorgeschriebene Frist.
Software ersetzt die Liste nicht, macht sie aber sichtbar. weclapp führt in der Funktionsübersicht Finanzen einen automatisierten Mahnlauf, einen Zahllauf und eine Verzugszinsberechnung auf; die Einzellizenz weclapp Buchhaltung nennt das Ansehen und Bearbeiten von OP-Listen sowie Mahn- und Zahllauf. Das sind Herstellerangaben ohne unabhängige Prüfung. Ob Warteliste, Ressourcenboard oder Tabellenblatt passt, hängt von der Betriebsgröße ab.
Rückmeldung planen und Fristen nachhalten
Die IHK Reutlingen beschreibt Beschwerdemanagement in zehn Schritten: Auf eine schriftliche Reklamation soll möglichst innerhalb von drei Tagen eine Antwort folgen, auf eine mündliche sofort; schwierige Fälle behandelt die Geschäftsleitung persönlich. Der Leitfaden gilt dem Beschwerdemanagement, nicht speziell Absagen. Übertragen Sie die Logik: zeitnah reagieren, zuhören, Details klären und eine Lösung anbieten, etwa einen Ersatztermin.
Praktisch heißt das: Melden Sie sich am Tag der Absage kurz und schriftlich zurück, bestätigen Sie die Absage, nennen Sie die Folgen für die Planung und unterbreiten Sie einen konkreten Ersatztermin. Vermeiden Sie Schuldzuweisungen. Notieren Sie die Frist für die erwartete Antwort und haken Sie danach nach.
Halten Sie auch Zahlungsvorgänge nach, wenn daraus eine Rechnung entsteht. Lexware Office nennt ein Mahnwesen, mit dem sich Mahnungen und Zahlungserinnerungen per Klick aus überfälligen Rechnungen erstellen und versenden lassen, dazu einen automatischen Zahlungsabgleich. Herstellerangaben ohne unabhängige Prüfung; eine rechtliche Einschätzung ersetzen sie nicht.
Ziehen Sie das Protokoll monatlich aus. Brechen dieselben Wochentage oder Gewerke häufig weg, passen Sie Puffer, Bestätigungspraxis und Warteliste an.
Häufige Fragen
Was gehört in das Verschiebungsprotokoll? Je Absage eine Zeile mit Zeitpunkt, gebundenen verrechenbaren Stunden, Wegen, Ausfallgröße aus dem eigenen Stundensatz, geplanter Rückmeldung mit Frist und benanntem Nachrücker.
Ist die Ausfallgröße eine Stornogebühr? Nein. Sie ist eine interne Rechengröße aus Ihrem Stundensatz. Ob ein Anspruch besteht, klären Sie mit Ihrer Handwerksorganisation.
Wie schnell soll ich nach einer Absage antworten? Der IHK-Leitfaden nennt drei Tage für schriftliche Reklamationen und sofortige Reaktion bei mündlichen. Für Absagen ist das eine übertragene Empfehlung, keine feste Vorschrift.