Handwerksbetriebe

Teil von Auftragsplanung im Handwerksbetrieb mit Kapazitätsrechnung und Nachkalkulation aufbauen

Nachkalkulation im Handwerksauftrag mit dem Kammerformular und Rückkopplung auf Angebotspreise

Nachkalkulation Handwerksauftrag: Kammerformular ausfüllen, Soll und Ist trennen und daraus einen neuen Stundensatz für künftige Angebote ableiten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Kammerformular rechnet von der Rechnungssumme über Material, Subunternehmer und Bürgschaftskosten zur Wertschöpfung E.
  • Aus erzieltem Satz G und kalkulatorischem Stundensatz H folgt das Auftragsergebnis I = (G-H) * F.
  • Führe die Nachkalkulation getrennt von der Vorkalkulation und ändere nur die künftige Annahme.

Das Formular Schritt für Schritt ausfüllen

Das Formular der Kammer Arbeitshilfe Nachkalkulation der Handwerkskammer Leipzig liefert eine Rechenstruktur, keine Branchenmittelwerte. Es rechnet von oben nach unten.

Zahlbetrag A: Von der Rechnungssumme netto ziehst du Rabatt und Skonto ab. Beide Zeilen stehen im Formular vor A. Wer nur die Rechnungssumme ansetzt, überzeichnet die Wertschöpfung.

Materialeinkauf B und Subunternehmer C: Das Formular sieht sechs Lieferantenzeilen und drei Subunternehmerzeilen vor. Erfasse je Lieferant und je Nachunternehmer eine eigene Zeile für spätere Preisfragen. Bürgschaftskosten D führst du gesondert.

Wertschöpfung E: E = A minus B minus C minus D. Sie zeigt, welchen Betrag die eigene Leistung dieses Auftrags erwirtschaftet hat. In diesem Schritt steckt keine Wertung, nur eine Restgröße.

Produktive Stunden F: Gesellenstunden, umgerechnete Azubistunden und Unternehmerstunden werden addiert. Der Unternehmer hat eine eigene Stundenzeile. Wer sie leer lässt, verschiebt einen Teil der Arbeit aus dem Auftragsergebnis.

Die Sätze G und H: G ist der erzielte Stundenverrechnungssatz, H der kalkulatorische Stundensatz aus der Angebotsphase. Das Ergebnis I = (G-H) * F bildet ab, ob der Auftrag über oder unter der eigenen Kalkulation lag.

Rechenbeispiel: 300 Euro geplant, 150 Euro Verlust tatsächlich

Beispiel mit erfundenen Beträgen, alle Werte netto und ohne Umsatzsteuerbetrachtung. Kein Marktpreis und keine Empfehlung für konkrete Sätze.

Annahmen: Zahlbetrag A 6.000 Euro, Material B 2.000 Euro, Subunternehmer C 1.000 Euro, Bürgschaftskosten D 0 Euro. Daraus folgt E = 3.000 Euro. Geplant waren 60 produktive Stunden bei H = 45 Euro je Stunde, also 300 Euro geplantes Ergebnis.

Tatsächlich angefallen sind 70 Stunden. Dann gilt G = 3.000 Euro geteilt durch 70 Stunden, also rund 42,86 Euro. Das Ergebnis I = 3.000 Euro minus 45 Euro mal 70 Stunden ergibt minus 150 Euro.

Größe Vorkalkulation Nachkalkulation
A Zahlbetrag netto 6.000 Euro 6.000 Euro
E Wertschöpfung 3.000 Euro 3.000 Euro
F produktive Stunden 60 h 70 h
G erzielter Satz 50,00 Euro/h geplant rund 42,86 Euro/h
I Ergebnis plus 300 Euro minus 150 Euro

Die Differenz von 450 Euro entsteht allein aus 10 Stunden zu 45 Euro. Rechne mit ungerundetem G weiter, sonst entstehen Cent-Abweichungen.

Vom Ist-Wert zur künftigen Kalkulationsannahme

Ziehe aus der Nachkalkulation nicht die Nachforderung, sondern die nächste Zahl. Bei unveränderten Kosten und wieder 70 Stunden müsste der Angebotspreis für dasselbe Zielergebnis von 300 Euro auf 6.450 Euro steigen. Das ist eine Modellrechnung, keine Marktpreisaussage.

Der kalkulatorische Stundensatz H folgt in der Ermittlung des Stundenverrechnungssatzes der Handwerkskammer Leipzig einer Stufenrechnung: Personalkosten, Sachkosten, Finanzierungskosten und kalkulatorische Kosten einschließlich Unternehmerlohn. Danach kommen ein selbst anzusetzender Wagnis- und Gewinnprozentsatz; der Erlös für den Wareneinsatz wird abgezogen.

Prüfe zuerst die Zeitannahme, nicht pauschal den Preis. Wiederkehrende Mehrstunden um 15 Prozent sprechen für eine Anpassung der Zeitvorgabe. Steigen dagegen Material- oder Subunternehmerkosten, gehört die Annahme in die Kostengruppe, nicht in den Stundensatz.

Zeit- und Materialbuchungen belegbar führen

Eine Nachkalkulation lebt von Ist-Buchungen. Erfasse produktive Stunden zeitnah am Auftrag, nicht am Monatsende aus dem Gedächtnis.

Software kann das unterstützen, ersetzt aber keine Prüfung. Herstellerangaben sind Herstellerdarstellungen, keine unabhängigen Tests. Prüfe, ob die Belege zu deinem Formular passen.

Beispiel weclapp: Der Hersteller nennt für die Produktion unter anderem Materialkostenkalkulation, Stücklisten, Arbeitspläne und Disposition mit Produktionsvorschlägen (Funktionsübersicht von weclapp). Zur Lagerlogik beschreibt weclapp die retrograde Buchung: Beim Einbuchen eines finalen Produkts werden rückwirkend alle Einzelteile ausgebucht, zusätzlicher Verbrauch gilt als Ausschussmenge (Cloud-Warenwirtschaft von weclapp).

Beispiel Lexware Office: Der Anbieter weist Angebote, Rechnungen, Lieferscheine und Auftragsbestätigungen aus, dazu eine betriebswirtschaftliche Auswertung mit Drill-Down und Umsatzstatistiken je Kunde (Preis- und Funktionsübersicht von Lexware Office).

Nachvollziehbar bleiben die Nachkalkulationsformeln mit dem Rechenblatt des Kammerformulars, unabhängig von der Softwarewahl.

Grenzen und typische Fehlerquellen

Die Formulare geben eine Struktur, keine Sollwerte. Branchenübliche Stundensätze, Materialaufschläge oder Wagnisprozentsätze stehen dort nicht. Diese Werte musst du aus eigener Buchhaltung und Personalkosten ableiten.

Häufige Fehlerquellen: Rundung des erzielten Satzes vor der Ergebniszeile, fehlende Unternehmerstunden, Vermischung von Nachforderung und künftiger Kalkulation sowie Materialbuchungen, die erst nach Monaten nachgetragen werden.

Häufige Fragen

Wie oft sollte eine Auftragsnachkalkulation erfolgen?

Für Aufträge mit hohem Anteil eigener produktiver Stunden lohnt sie sich am ehesten. Ein fester Prüfrhythmus ist eine betriebliche Entscheidung, keine Vorgabe des Formulars.

Kann ich aus der Nachkalkulation eine Nachforderung ableiten?

Nein, die Nachkalkulation selbst begründet keinen Anspruch. Sie liefert nur die Grundlage für eine künftige Preiskalkulation oder einen Nachtrag, wenn dieser vertraglich vereinbart ist.

Was mache ich, wenn keine Software vorliegt?

Das Kammerformular funktioniert auch auf Papier. Entscheidend sind vollständige Stundenaufschreibung und Materialbelege, damit die Zeilen A bis I ausgefüllt werden können.

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